Jaguar hat mit dem Type 01 sein vielleicht wichtigstes Auto seit Jahrzehnten vorgestellt. Der neue elektrische Grand Tourer soll die britische Traditionsmarke in eine deutlich exklusivere Klasse führen und beeindruckt mit mehr als 1.000 PS, drei Elektromotoren, einer 118-kWh-Batterie und rund 400 Meilen EPA-Reichweite.
Auf dem Papier sind das Werte, gegen die ein Tesla Model 3 Performance beinahe unspektakulär wirkt. Doch ein direkter Vergleich zeigt eine interessante Besonderheit: Trotz fast doppelt so hoher Leistung und einem mehr als doppelt so hohen Preis ist der Jaguar beim Sprint aus dem Stand nicht schneller als der Tesla.
Das Model 3 Performance startet in den USA derzeit bei 54.990 Dollar. Für den Jaguar werden rund 130.500 Dollar aufgerufen. Damit liegen zwischen beiden Fahrzeugen rund 75.500 Dollar.

Tesla Model 3 Performance und Jaguar Type 01 im Vergleich
| Technische Daten | Tesla Model 3 Performance | Jaguar Type 01 |
|---|---|---|
| Leistung | über 500 hp / ca. 528 hp | 1.015 hp / 1.030 PS |
| Drehmoment | ca. 554 lb-ft | 1.007 lb-ft / 1.365 Nm |
| Elektromotoren | 2 | 3 |
| Antrieb | Allrad | Allrad |
| Batterie | ca. 80 kWh | 118 kWh nutzbar |
| Architektur | ca. 400 Volt | 850 Volt |
| Luftwiderstandsbeiwert | ca. 0,219 | 0,23 |
| Gewicht | 4.054 lbs / ca. 1.839 kg | noch nicht final angegeben |
| Gepäckraum | 24 cu ft / ca. 680 Liter | über 450 Liter kombiniert |
| DC-Ladeleistung | bis 250 kW | bis 350 kW |
| 0–60 mph | 2,9 Sekunden | ca. 3,1 Sekunden |
| 0–100 km/h | ca. 3,1 Sekunden | bis 3,2 Sekunden |
| EPA-Reichweite | 316 Meilen | ca. 400 Meilen |
| Fahrerassistenz | FSD (Supervised) verfügbar | kein vergleichbares FSD-System angekündigt |
| Verfügbarkeit | bereits erhältlich | Auslieferungen ab H2 2027 |
| US-Preis | 54.990 Dollar | ca. 130.500 Dollar |
Die Zahlen zeigen allerdings auch, warum der Vergleich nicht als klassisches Konkurrenzduell verstanden werden sollte. Jaguar positioniert den Type 01 als luxuriösen viertürigen Grand Tourer und nicht als direkte Alternative zum Model 3.
Trotzdem verdeutlichen die technischen Daten sehr gut, wie unterschiedlich beide Hersteller das Thema Performance-Elektroauto interpretieren.
Jaguar bietet fast doppelt so viel Leistung
Bei der reinen Motorleistung gibt es einen eindeutigen Unterschied.
Das Model 3 Performance kommt in der aktuellen US-Ausführung auf mehr als 500 hp. Für den Type 01 gibt Jaguar dagegen bis zu 1.030 PS beziehungsweise rund 1.015 hp an.
Damit besitzt der Jaguar annähernd die doppelte Leistung.
Auch beim Drehmoment setzt sich dieses Bild fort. Der Type 01 erreicht bis zu 1.365 Nm beziehungsweise rund 1.007 lb-ft.
Dafür verwendet Jaguar gleich drei Elektromotoren. Das Model 3 Performance setzt weiterhin auf zwei Motoren mit Allradantrieb.
Jaguar kombiniert seinen Tri-Motor-Antrieb zusätzlich mit Intelligent Torque Vectoring. Die Leistung kann dadurch gezielt zwischen den Rädern verteilt werden.
Der Type 01 ist damit laut Jaguar das leistungsstärkste Serienfahrzeug, das die Marke jemals gebaut hat.
Trotzdem ist der Tesla aus dem Stand schneller
Genau deshalb überrascht der Blick auf die Beschleunigung.
Tesla gibt für das aktuelle Model 3 Performance in den USA 2,9 Sekunden von 0 auf 60 mph an.
Jaguar nennt offiziell bis zu 3,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Für 0 bis 60 mph ergibt sich daraus eine Größenordnung von ungefähr 3,1 Sekunden.
Damit könnte der Tesla trotz erheblich geringerer Motorleistung beim klassischen Ampelsprint sogar leicht schneller sein.
Der Grund dürfte vor allem im Fahrzeugkonzept liegen.
Das Model 3 Performance ist eine vergleichsweise kompakte elektrische Sportlimousine. Jaguar entwickelt dagegen einen großen Luxus-GT mit enormer Batterie, aufwendigem Fahrwerk und entsprechend umfangreicher Ausstattung.
Das endgültige Leergewicht des Type 01 hat Jaguar noch nicht veröffentlicht. Bei einer 118-kWh-Batterie und den Dimensionen des Fahrzeugs dürfte das Gewicht aber eine wichtige Rolle spielen.
Dafür besitzt Jaguar eine deutlich größere Batterie
Bei der Reichweite dreht sich das Verhältnis um.
Jaguar verbaut eine Batterie mit 118 kWh nutzbarer Kapazität und erwartet damit in den USA eine EPA-Reichweite von rund 400 Meilen.
Das entspricht ungefähr 644 Kilometern.
Tesla gibt für das Model 3 Performance inzwischen bis zu 316 Meilen EPA-Reichweite an, entsprechend rund 509 Kilometern.
Damit hätte der Jaguar auf dem Papier ungefähr 84 Meilen beziehungsweise 135 Kilometer mehr Reichweite.
Das entspricht einem Vorteil von rund 27 Prozent.
Jaguar erreicht diesen Wert allerdings mit einer erheblich größeren Batterie. Beim Model 3 Performance wird die Kapazität auf ungefähr 80 kWh geschätzt.
Das zeigt einen grundlegenden Unterschied zwischen beiden Fahrzeugen: Tesla setzt stark auf Effizienz und ein vergleichsweise kleines Batteriepaket, während Jaguar mehr Batteriekapazität nutzt, um hohe Leistung und große Reichweite miteinander zu kombinieren.
Jaguar setzt auf 850-Volt-Technik und 350 kW
Auch beim Schnellladen besitzt der deutlich neuere Jaguar einen technischen Vorteil.
Das Model 3 Performance erreicht am Supercharger maximal 250 kW. Tesla gibt an, dass unter optimalen Bedingungen bis zu 147 Meilen Reichweite innerhalb von 15 Minuten nachgeladen werden können.
Jaguar verwendet dagegen eine 850-Volt-Architektur und unterstützt eine maximale DC-Ladeleistung von 350 kW.
Nach Angaben des Herstellers können dadurch innerhalb von 13 Minuten bis zu 200 Meilen Reichweite nachgeladen werden.
Das wären rund 322 Kilometer.
Für einen Grand Tourer ist diese Kombination aus großer Batterie und hoher Ladeleistung besonders wichtig. Jaguar möchte mit dem Type 01 ausdrücklich ein Fahrzeug für lange Strecken anbieten.
Überraschend guter Luftwiderstand beim Jaguar
Auch aerodynamisch liegen beide Fahrzeuge trotz ihrer völlig unterschiedlichen Formen erstaunlich nah beieinander.
Für das Model 3 wird ein Luftwiderstandsbeiwert von ungefähr 0,219 angegeben. Jaguar erreicht mit dem wesentlich größeren Type 01 einen Wert von rund 0,23.
Jaguar bezeichnet den Type 01 damit als aerodynamischsten Jaguar seiner Geschichte.
Das Fahrzeug besitzt unter anderem einen mehrstufigen aktiven Heckspoiler. Dieser bleibt bei niedrigeren Geschwindigkeiten verborgen und kann bei höherem Tempo sowohl den Luftwiderstand beeinflussen als auch zusätzlichen Abtrieb erzeugen.
Jaguar nennt bis zu 165 lbs beziehungsweise rund 75 Kilogramm Abtrieb bei 96 mph.
Tesla bietet deutlich mehr Gepäckraum
Beim Nutzwert zeigt sich dagegen ein deutlicher Unterschied.
Tesla gibt für das Model 3 Performance 24 cu ft Gepäckraum an, was ungefähr 680 Litern entspricht.
Jaguar nennt für den Type 01 offiziell mehr als 450 Liter kombinierten Stauraum.
Damit bietet das äußerlich wesentlich größere Fahrzeug überraschenderweise weniger Gepäckraum.
Das ist allerdings eine bewusste Folge des Fahrzeugkonzepts. Jaguar hat den Type 01 konsequent als Design- und Luxus-GT entwickelt. Die extrem lange Motorhaube, niedrige Dachlinie und großen Proportionen wurden nicht auf maximale Raumausnutzung optimiert.
Tesla verfolgt beim Model 3 einen wesentlich funktionaleren Ansatz.
Der größte Unterschied beträgt 75.500 Dollar
Am deutlichsten werden die unterschiedlichen Positionierungen beim Preis.
Das Model 3 Performance kostet in den USA aktuell:
54.990 Dollar
Für den Jaguar Type 01 wird ein Einstiegspreis von ungefähr:
130.500 Dollar
genannt.
Damit kostet der Jaguar etwa 75.510 Dollar mehr.
Anders ausgedrückt: Für den Preis eines Type 01 ließen sich theoretisch mehr als zwei Model 3 Performance kaufen.
Der Jaguar ist rund 137 Prozent teurer als der Tesla.
Dieser Vergleich ist natürlich etwas plakativ, denn Jaguar möchte ausdrücklich nicht mit Tesla über den Preis konkurrieren.
Die Marke positioniert sich mit dem Type 01 künftig wesentlich höher. Der neue Jaguar soll eher Kunden ansprechen, die Fahrzeuge aus dem oberen Luxussegment betrachten.
In Deutschland dürfte diese Positionierung noch deutlicher werden. Hier werden Preise in einer Größenordnung von etwa 160.000 Euro erwartet.
Beim Thema Software verfolgt Tesla einen anderen Ansatz
Ein weiterer großer Unterschied betrifft die Fahrerassistenz.
Tesla bietet für das Model 3 in den USA FSD (Supervised) an. Das System kann unter Aufsicht des Fahrers komplexe Fahraufgaben übernehmen und wird kontinuierlich per Software aktualisiert.
Dabei handelt es sich weiterhin ausdrücklich um ein Fahrerassistenzsystem. Der Fahrer muss aufmerksam bleiben und jederzeit eingreifen können.
Jaguar hat für den Type 01 bislang kein direkt vergleichbares System angekündigt.
Der Jaguar wird selbstverständlich moderne Assistenz- und Sicherheitssysteme besitzen. Die Softwarestrategie unterscheidet sich jedoch deutlich von Teslas starkem Fokus auf FSD und kontinuierliche Weiterentwicklung der Fahrfunktionen über Over-the-Air-Updates.
Für europäische Kunden ist dieser Unterschied aktuell kleiner: FSD (Supervised) ist hier weiterhin nicht allgemein verfügbar.
Jaguar startet erst 2027
Auch beim Marktstart liegen die beiden Fahrzeuge weit auseinander.
Das Model 3 Performance kann bereits bestellt und ausgeliefert werden.
Jaguar öffnet die Bestellungen für den Type 01 dagegen erst Anfang 2027. Die ersten Kundenauslieferungen sind für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen.
Bis die ersten Type 01 tatsächlich auf der Straße fahren, hat Tesla also noch fast ein Jahr Zeit für weitere Software- und möglicherweise Hardwareänderungen am Model 3.
Zwei vollkommen unterschiedliche Konzepte
Auf dem Papier sieht der Jaguar zunächst nach dem deutlich überlegenen Elektroauto aus.
Mehr als 1.000 PS, drei Motoren, 118 kWh Batterie, 850-Volt-Architektur, 350-kW-Laden und rund 400 Meilen EPA-Reichweite sind beeindruckende Werte.
Doch der Vergleich mit dem Model 3 Performance zeigt, dass mehr Hardware nicht automatisch in jeder Disziplin bessere Ergebnisse bedeutet.
Der Tesla besitzt nur ungefähr die Hälfte der Leistung und eine wesentlich kleinere Batterie. Trotzdem beschleunigt er mindestens genauso schnell aus dem Stand, bietet einen größeren Gepäckraum und kostet weniger als die Hälfte.
Jaguar kontert mit deutlich höherer Leistung, mehr Reichweite, schnellerem Laden und einem wesentlich luxuriöseren Fahrzeugkonzept.
Genau darin liegt der eigentliche Unterschied.
Das Tesla Model 3 Performance versucht, maximale elektrische Performance zu einem vergleichsweise niedrigen Preis anzubieten.
Der Jaguar Type 01 versucht dagegen, das Elektroauto als exklusiven Grand Tourer neu zu interpretieren, bei dem Leistung, Design, Komfort und Luxus wichtiger sind als das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Fazit
Der neue Jaguar Type 01 ist technisch eines der beeindruckendsten Elektroautos, die für 2027 angekündigt sind. Mit 1.030 PS, drei Elektromotoren, 118-kWh-Batterie, 850-Volt-Technik und rund 400 Meilen EPA-Reichweite übertrifft er das Model 3 Performance in vielen klassischen Datenblatt-Kategorien deutlich.
Trotzdem zeigt der direkte Vergleich die enorme Effizienz des Tesla-Konzepts.
Das Model 3 Performance benötigt ungefähr die Hälfte der Motorleistung, eine deutlich kleinere Batterie und nur zwei Elektromotoren, erreicht aber dennoch 60 mph in 2,9 Sekunden. Gleichzeitig bietet es mehr Gepäckraum und kostet mit 54.990 Dollar weniger als die Hälfte des Jaguar.
Der Type 01 ist deshalb nicht einfach ein doppelt so starkes Model 3 Performance. Er gehört konzeptionell und preislich in eine völlig andere Fahrzeugklasse.
Gerade deshalb ist der Vergleich interessant: Jaguar benötigt mehr als 1.000 PS und einen Preis von rund 130.500 Dollar für seinen neuen elektrischen Luxus-GT. Tesla zeigt mit dem Model 3 Performance, wie viel Performance inzwischen bereits für rund 55.000 Dollar möglich ist.
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