Tesla und XPENG zeigen in Paris autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen – europäische Hersteller fehlen

Tesla und XPENG zeigen in Paris autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen – europäische Hersteller fehlen

Auf dem Pariser Autosalon 2026 wird automatisiertes Fahren erstmals nicht nur auf dem Messestand präsentiert. Besucher können moderne Fahrassistenzsysteme im Rahmen des offiziellen „Autonomous Lab“ auch im realen Straßenverkehr erleben.

Neue BAFA-Zahlen: Tesla Model Y ist Deutschlands meistgefördertes Elektroauto Du liest Tesla und XPENG zeigen in Paris autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen – europäische Hersteller fehlen 8 Minuten

Auf dem Pariser Autosalon 2026 wird automatisiertes Fahren erstmals nicht nur auf dem Messestand präsentiert. Besucher können moderne Fahrassistenzsysteme im Rahmen des offiziellen „Autonomous Lab“ auch im realen Straßenverkehr erleben. Bemerkenswert ist dabei die Auswahl der Hersteller: Ausschließlich Tesla und XPENG stellen Fahrzeuge für diese Fahrten bereit. Europäische Hersteller sind im offiziellen Autonomous Lab nicht vertreten.

Tesla schickt sechs Model 3 mit FSD (Supervised) auf die Straßen von Paris. Der chinesische Hersteller XPENG stellt zwei L03 bereit, die mit seiner intelligenten NGP-Fahrtechnologie auf Basis von VLA 2.0 ausgestattet sind. Damit treffen auf einer der wichtigsten europäischen Automobilmessen ausgerechnet ein US-amerikanischer und ein chinesischer Hersteller direkt aufeinander, wenn es um die öffentliche Demonstration der nächsten Generation von Fahrerassistenz geht.

Tesla bringt sechs Model 3 mit FSD nach Paris

Der Mondial de l’Auto findet vom 12. bis 18. Oktober 2026 an der Porte de Versailles statt. Insgesamt werden auf dem Messegelände mehr als 60 Automobilhersteller vertreten sein. Das normale Testprogramm umfasst fast 90 Modelle von rund 20 Marken und mehr als 5.000 reservierbare Probefahrten.

Das Autonomous Lab ist davon getrennt und soll Besuchern erstmals die Möglichkeit geben, hochentwickelte automatisierte Fahrsysteme unter realen Verkehrsbedingungen kennenzulernen. Nach Angaben des Veranstalters finden die Demonstrationen auf für den öffentlichen Verkehr geöffneten Straßen statt. Die Systeme werden dabei als überwachte Level-2++-Technologien eingeordnet – es handelt sich also ausdrücklich nicht um fahrerloses autonomes Fahren.

Tesla stellt für das Programm sechs Model 3 mit FSD (Supervised) bereit. Damit verfügt der US-Hersteller über drei Viertel der insgesamt acht angekündigten Fahrzeuge des Autonomous Lab.

Hersteller Fahrzeug System Fahrzeuge
Tesla Model 3 FSD (Supervised) 6
XPENG L03 NGP / VLA 2.0 2

Tesla selbst ist auf dem Pariser Autosalon umfangreich vertreten. Neben Model 3 und Model Y zeigt das Unternehmen unter anderem den Cybercab, Optimus Gen 2 sowie seine Energie- und Ladelösungen. Der offizielle Messeauftritt befindet sich in Halle 7.1.

XPENG demonstriert VLA 2.0 erstmals in diesem Umfang außerhalb Chinas

Der zweite Hersteller im Autonomous Lab ist XPENG. Das Unternehmen nutzt seinen neuen L03, um europäischen Besuchern seine NGP-Technologie zu demonstrieren. Für XPENG handelt es sich nach eigenen Angaben um die erste groß angelegte NGP-Testveranstaltung außerhalb Chinas.

Technisch setzt XPENG dabei auf seine neue VLA-2.0-Architektur. Der Ansatz unterscheidet sich von klassischen Assistenzsystemen, bei denen einzelne Funktionen wie Spurführung, Abstandsregelung und Spurwechsel stärker voneinander getrennt arbeiten.

XPENG beschreibt VLA 2.0 als End-to-End-„Vision-to-Action“-Architektur. Visuelle Informationen sollen dabei möglichst direkt in Fahrentscheidungen umgesetzt werden. Gleichzeitig soll das System weniger stark von hochauflösenden Karten und vorprogrammierten Einzelszenarien abhängig sein.

Paris besitzt für XPENG deshalb eine besondere Bedeutung. Das Unternehmen möchte nicht nur neue Fahrzeuge verkaufen, sondern sich in Europa zunehmend als Technologieanbieter positionieren. Dazu baut XPENG unter anderem seine europäischen Entwicklungsaktivitäten aus und betreibt ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in München.

Keine europäische Automarke im offiziellen Autonomous Lab

Der auffälligste Punkt ist allerdings nicht allein die Technologie von Tesla oder XPENG, sondern die Zusammensetzung des Programms.

Auf dem Pariser Autosalon sind zahlreiche europäische Hersteller vertreten. Das offizielle Ausstellerverzeichnis umfasst unter anderem Marken aus den Konzernen Volkswagen, Stellantis und Renault sowie weitere Hersteller wie Mercedes-Benz.

Im Autonomous Lab sieht es anders aus.

Nach Angaben von XPENG und des Messeveranstalters sind Tesla und XPENG die einzigen beiden Automobilhersteller, die an diesem offiziellen Fahrerlebnis teilnehmen.

Damit gibt es dort weder einen deutschen noch einen anderen europäischen Hersteller, der ein vergleichbares System im Rahmen dieses Programms auf öffentlichen Straßen demonstriert.

Das bedeutet nicht, dass europäische Hersteller keine fortschrittlichen Fahrerassistenzsysteme entwickeln. Auch lässt sich aus der Teilnehmerliste allein kein allgemeiner technologischer Vorsprung oder Rückstand ableiten – schließlich können neben der technischen Leistungsfähigkeit auch Unternehmensentscheidungen, Homologation, Verfügbarkeit und die Teilnahmebedingungen der Messe eine Rolle spielen.

Symbolisch ist die Konstellation dennoch bemerkenswert: Auf einer der wichtigsten europäischen Automobilmessen wird die öffentlich erlebbare nächste Generation automatisierter Fahrfunktionen ausschließlich von Unternehmen aus den USA und China präsentiert.

Besonders brisant ist der Auftritt von Tesla

Für Tesla kommt der Pariser Auftritt zu einem interessanten Zeitpunkt. FSD (Supervised) besitzt weiterhin keine einheitliche EU-weite Freigabe. Mehrere europäische Länder haben das System bereits auf Basis des niederländischen Artikel-39-Verfahrens anerkannt, während andere wichtige Märkte – darunter Deutschland und Frankreich – noch auf weitere regulatorische Schritte warten.

Gerade deshalb besitzt die Demonstration auf öffentlichen Straßen in Paris eine besondere Außenwirkung.

Tesla kann FSD europäischen Besuchern und Medien damit unter realen Verkehrsbedingungen präsentieren, obwohl französische Tesla-Besitzer das System noch nicht regulär als allgemein verfügbares Produkt nutzen können.

Für Tesla ist das eine Gelegenheit, die Diskussion über FSD aus dem theoretischen regulatorischen Umfeld herauszuholen und die Technologie unmittelbar erlebbar zu machen.

FSD Supervised bleibt ein überwachtes Assistenzsystem

Bei der Bezeichnung „Autonomous Lab“ ist allerdings eine wichtige Einordnung notwendig. Tesla FSD (Supervised) ist kein vollständig autonomes Fahrsystem, bei dem sich der Fahrer während der Fahrt anderen Tätigkeiten widmen darf.

Der Fahrer bleibt verantwortlich und muss den Verkehr sowie das Fahrzeug überwachen und jederzeit eingreifen können.

Genau dieser Unterschied ist für die europäische Zulassungsdiskussion entscheidend. Teslas Robotaxi- und Cybercab-Projekt verfolgt langfristig das Ziel eines fahrerlosen Betriebs. FSD (Supervised), wie es in Paris demonstriert wird, bleibt dagegen ein überwachtes Fahrerassistenzsystem.

Paris wird damit auch zum direkten Vergleich zwischen USA und China

Die Konstellation des Autonomous Lab ist auch aus industriepolitischer Sicht interessant. Tesla und XPENG verfolgen unterschiedliche technische Ansätze, bewegen sich aber strategisch in eine ähnliche Richtung: Beide Hersteller entwickeln Fahrzeuge zunehmend als software- und KI-definierte Plattformen.

Tesla setzt dabei seit Jahren stark auf kamerabasierte Wahrnehmung, neuronale Netze und eine immer stärker vereinheitlichte FSD-Software.

XPENG positioniert VLA 2.0 ebenfalls als KI-basierten Ansatz, bei dem die klassische Trennung einzelner Assistenzfunktionen zunehmend aufgelöst werden soll.

Für Besucher entsteht dadurch in Paris ein ungewöhnlich direkter Vergleich. Statt unterschiedliche Assistenzsysteme anhand von Präsentationen oder technischen Daten zu vergleichen, können sie zwei der derzeit ambitioniertesten Ansätze auf realen Straßen erleben.

Für Europas Autoindustrie ist die Teilnehmerliste zumindest ein Signal

Dass kein europäischer Hersteller am offiziellen Autonomous Lab teilnimmt, dürfte deshalb für Diskussionen sorgen.

Europa besitzt einige der weltweit größten und traditionsreichsten Automobilkonzerne. Gleichzeitig verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend von klassischen Fahrzeugmerkmalen wie Motorleistung, Fahrwerk oder Verarbeitungsqualität hin zu Software, künstlicher Intelligenz und automatisierten Fahrfunktionen.

Die Pariser Autoshow bildet diesen Wandel ungewöhnlich deutlich ab.

Während europäische Hersteller selbstverständlich mit zahlreichen neuen Elektroautos und anderen Technologien auf der Messe vertreten sind, werden die öffentlich demonstrierten intelligenten Fahrsysteme des Autonomous Lab ausschließlich von Tesla und XPENG gestellt.

Daraus sollte keine pauschale Aussage über die technologische Position der gesamten europäischen Autoindustrie abgeleitet werden. Als Momentaufnahme zeigt Paris jedoch, welche Unternehmen derzeit besonders offensiv versuchen, ihre KI-basierten Fahrfunktionen unmittelbar vor einem europäischen Publikum zu demonstrieren.

Tesla und XPENG verfolgen gleichzeitig unterschiedliche Europa-Strategien

Auch regulatorisch befinden sich beide Hersteller in unterschiedlichen Situationen.

Tesla arbeitet daran, FSD (Supervised) schrittweise über nationale Anerkennungen und langfristig über eine breitere europäische Genehmigung verfügbar zu machen.

XPENG entwickelt seine intelligenten Fahrsysteme dagegen zunehmend speziell für internationale Märkte weiter. Das Unternehmen betont dabei ausdrücklich die Lokalisierung für europäische Straßen, Verkehrsbedingungen und regulatorische Anforderungen.

Für XPENG ist Paris damit nicht nur eine Technikdemonstration, sondern Teil einer größeren europäischen Expansion. Neben dem L03 zeigt das Unternehmen dort unter anderem den G9L, P7+, G6, G9 und X9 sowie Entwicklungen aus den Bereichen Robotik und Flugmobilität.

Fazit

Das Autonomous Lab gehört zu den technologisch interessantesten Programmpunkten des Pariser Autosalons 2026. Erstmals können Besucher dort moderne automatisierte Fahrsysteme nicht nur auf einem Messestand kennenlernen, sondern auf öffentlichen Straßen erleben.

Die Auswahl der Fahrzeuge fällt dabei bemerkenswert aus: Tesla stellt sechs Model 3 mit FSD (Supervised), XPENG zwei L03 mit seiner NGP-Technologie auf Basis von VLA 2.0. Andere Automobilhersteller nehmen an diesem offiziellen Programm nicht teil.

Damit treffen in Paris zwei unterschiedliche KI-Ansätze aus den USA und China unmittelbar aufeinander. Gleichzeitig fehlt ausgerechnet auf einer europäischen Automobilmesse ein europäischer Hersteller im offiziellen Autonomous Lab.

Das ist noch kein Beweis dafür, dass Europas Autoindustrie bei intelligenten Fahrfunktionen grundsätzlich zurückliegt. Es ist aber eine bemerkenswerte Momentaufnahme des sich verändernden Wettbewerbs: Während klassische Fahrzeugtechnik weiterhin wichtig bleibt, werden Software, KI und automatisiertes Fahren zunehmend zu zentralen Differenzierungsmerkmalen.

Und genau bei diesen Technologien sind es in Paris 2026 Tesla und XPENG, die ihre Systeme auf öffentlichen Straßen unmittelbar vor einem europäischen Publikum demonstrieren.

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