ADAC testet Tesla FSD Supervised: Beeindruckend gut – aber mit überraschenden Fehlern

ADAC testet Tesla FSD Supervised: Beeindruckend gut – aber mit überraschenden Fehlern

Der ADAC hat Tesla FSD (Supervised) erstmals ausführlich im europäischen Straßenverkehr ausprobiert – und zeigt sich von den Fähigkeiten des Systems beeindruckt. Während einer rund zweistündigen Testfahrt mit einem Tesla Model 3

Deutschland macht bei Tesla FSD Druck: Verkehrsminister Bilger will schnelle EU-Zulassung Du liest ADAC testet Tesla FSD Supervised: Beeindruckend gut – aber mit überraschenden Fehlern 8 Minuten

Der ADAC hat Tesla FSD (Supervised) erstmals ausführlich im europäischen Straßenverkehr ausprobiert – und zeigt sich von den Fähigkeiten des Systems beeindruckt. Während einer rund zweistündigen Testfahrt mit einem Tesla Model 3 durch Kopenhagen meisterte FSD komplexe Verkehrssituationen teilweise so natürlich, dass es laut ADAC über weite Strecken wirkte, „als säße ein aufmerksamer Mensch am Steuer“.

Das System vermittelte bereits nach wenigen Kilometern ein sehr sicheres Fahrgefühl, führte selbstständig natürliche Spurwechsel durch, bewältigte enge Straßen mit Gegenverkehr und fand sogar in einem zweispurigen Kreisverkehr die richtige Spur.

Doch genau diese überzeugende Vorstellung sieht der ADAC gleichzeitig als Risiko. Denn FSD machte während der Fahrt auch unerwartete und teilweise gravierende Fehler. Unter anderem nutzte das Model 3 unzulässig eine Busspur und überfuhr sogar eine rote Ampel.

Das Fazit fällt deshalb differenziert aus: Tesla demonstriert mit FSD eindrucksvoll, wie leistungsfähig moderne Fahrerassistenzsysteme inzwischen sein können. Von einem autonomen Fahrzeug ist das System jedoch weiterhin entfernt.

Zwei Stunden FSD durch Kopenhagen

Für seinen Test reiste der ADAC nach Dänemark. Dort darf Tesla FSD (Supervised) bereits auf Basis der vorläufigen niederländischen Genehmigung verwendet werden.

Die dänische Verkehrsbehörde hatte die Genehmigung im Juni anerkannt. Der Fahrer bleibt dabei vollständig für das Fahrzeug verantwortlich und muss das System dauerhaft überwachen.

Für den ADAC war gerade der Einsatz im normalen Straßenverkehr interessant.

Nach Eingabe des Navigationsziels übernimmt FSD einen großen Teil der Fahraufgabe. Das System lenkt, beschleunigt und bremst, führt Spurwechsel durch, biegt selbstständig ab und folgt der berechneten Route.

Der Fahrer kann dabei die Hände vom Lenkrad nehmen. Eine Innenraumkamera soll überwachen, ob er weiterhin aufmerksam auf den Verkehr achtet.

Bereits nach wenigen Kilometern stellte sich beim ADAC ein ungewöhnlich hohes Vertrauen in das System ein.

Gerade schwierige Situationen meisterte FSD überraschend souverän

Besonders positiv fiel auf, wie natürlich das Tesla-System mit komplexeren Verkehrssituationen umging.

Auf einer schmalen dänischen Landstraße musste das Model 3 beispielsweise auf entgegenkommende Fahrzeuge reagieren. In Dänemark dürfen dabei bestimmte Fahrbahnmarkierungen überfahren werden, damit zwei Fahrzeuge aneinander vorbeikommen können.

FSD erkannte die Situation und reagierte entsprechend.

Auch enge Straßen und Gassen bereiteten dem System nach Angaben des ADAC kaum Schwierigkeiten.

Selbst einen zweispurigen Kreisverkehr bewältigte das Model 3 selbstständig und wählte dabei den passenden Fahrstreifen.

Der ADAC beschreibt das Verhalten deshalb nicht lediglich als technisch funktionierend. Die Fahrt wirkte über längere Strecken erstaunlich natürlich.

Genau das unterscheidet FSD von vielen klassischen Assistenzsystemen, die hauptsächlich auf Autobahnen funktionieren und dort im Wesentlichen Geschwindigkeit, Abstand und Spur kontrollieren.

Tesla versucht mit FSD dagegen, eine wesentlich größere Bandbreite des alltäglichen Straßenverkehrs abzudecken.

Dann macht FSD plötzlich überraschende Fehler

Der vielleicht interessanteste Teil des ADAC-Tests ist allerdings der starke Kontrast zwischen den überzeugenden Fähigkeiten des Systems und seinen Fehlern.

Denn ausgerechnet Situationen, die vergleichsweise einfach erscheinen, brachten FSD teilweise aus dem Konzept.

Einmal wählte das Fahrzeug den falschen Fahrstreifen.

In einer weiteren Situation entschied sich FSD für die falsche Autobahnauffahrt. Beim Versuch, diesen Fehler zu korrigieren, überfuhr das Model 3 anschließend eine durchgezogene Linie.

Hinzu kam die unzulässige Nutzung einer Busspur.

Noch gravierender war eine weitere Situation:

Das Fahrzeug überfuhr während des Tests eine rote Ampel.

Nach Einschätzung des ADAC hätte das Model 3 während der zweistündigen Fahrt damit dreimal eine deutsche Führerscheinprüfung nicht bestanden.

Gerade dieser Gegensatz macht den Test interessant.

FSD kann komplexe Situationen wie Gegenverkehr auf engen Straßen oder mehrspurige Kreisverkehre souverän bewältigen – und kurze Zeit später bei vermeintlich einfacheren Aufgaben eine erhebliche Fehlentscheidung treffen.

Auch beim Einparken hatte Tesla Probleme

Ein weiteres Beispiel zeigte sich bei der Parkplatzsuche.

Das Fahrzeug fand zunächst keine geeignete Parkmöglichkeit und fuhr weiter. Nachdem schließlich eine passende Parklücke gefunden worden war, versuchte das Model 3 selbstständig einzuparken.

Dabei benötigte es zahlreiche Rangierversuche.

Am Ende brach das System den Vorgang ab, obwohl das Fahrzeug noch nicht korrekt stand. Eine Seite des Model 3 befand sich weiterhin auf der Fahrbahn.

Auch hier zeigt sich eine Besonderheit moderner KI-basierter Assistenzsysteme: Die technische Leistungsfähigkeit lässt sich nicht immer anhand der vermeintlichen Schwierigkeit einer Situation vorhersagen.

Eine komplizierte Verkehrssituation kann problemlos funktionieren, während eine für Menschen vergleichsweise einfache Aufgabe plötzlich Schwierigkeiten verursacht.

Das größte Problem ist ausgerechnet, wie gut FSD funktioniert

Genau daraus leitet der ADAC seine vielleicht wichtigste Kritik ab.

Das Problem ist nicht nur, dass FSD Fehler macht.

Das Problem ist, dass es zwischen diesen Fehlern sehr lange ausgesprochen überzeugend fährt.

Dadurch entsteht beim Menschen schnell Vertrauen.

Wenn das Fahrzeug über einen längeren Zeitraum zuverlässig lenkt, abbremst, beschleunigt, Kreisverkehre durchfährt und selbstständig Spurwechsel durchführt, besteht die Gefahr, dass der Fahrer zunehmend zum passiven Beobachter wird.

Doch genau das darf bei FSD (Supervised) nicht passieren.

Der Fahrer bleibt jederzeit verantwortlich und muss jederzeit eingreifen können.

Ein System, das offensichtlich schlecht funktioniert, würde den Fahrer vermutlich automatisch aufmerksam halten.

Ein System, das über 30 oder 60 Minuten nahezu fehlerfrei fährt und anschließend plötzlich eine rote Ampel übersieht, stellt dagegen eine andere Herausforderung an die menschliche Aufmerksamkeit.

ADAC entdeckt Schwächen bei der Fahrerüberwachung

Deshalb untersuchte der ADAC auch die Innenraumüberwachung des Tesla.

Eine Kamera beobachtet den Fahrer und soll erkennen, ob dieser weiterhin auf den Verkehr achtet.

Auch hier fand der ADAC Verbesserungspotenzial.

Wenn der Fahrer seinen Blick von der Straße abwandte, dauerte es im Versuch mehrere Sekunden, bis das System eine Warnung ausgab.

Noch problematischer war ein Test mit einer verspiegelten Sonnenbrille.

Dabei erfolgte laut ADAC keine entsprechende Warnung. Das System konnte somit nicht zuverlässig feststellen, ob die Augen des Fahrers tatsächlich geöffnet waren beziehungsweise wohin dieser blickte.

Gerade bei einem System, dessen Sicherheitskonzept auf einer permanenten Überwachung durch den Menschen basiert, ist eine zuverlässige Erkennung der Fahreraufmerksamkeit besonders wichtig.

FSD bleibt ein Assistenzsystem

Der ADAC betont deshalb ausdrücklich, dass Tesla FSD (Supervised) nicht mit autonomem Fahren gleichgesetzt werden darf.

Das System übernimmt zwar außergewöhnlich viele Fahraufgaben, die rechtliche Verantwortung verbleibt jedoch beim Fahrer.

FSD wird entsprechend als Level-2+-System eingeordnet.

Erst bei höheren Automatisierungsstufen kann die Verantwortung innerhalb definierter Situationen tatsächlich auf das Fahrzeug beziehungsweise den Hersteller übergehen.

Tesla ist mit FSD (Supervised) noch nicht an diesem Punkt.

Der Fahrer muss das System weiterhin permanent überwachen und jederzeit übernehmen können.

Auch den Namen „Full Self-Driving“ sieht der ADAC kritisch

Damit kommt der ADAC zu einem Kritikpunkt, der aktuell auch für die europäische Zulassung relevant ist.

Die Bezeichnung „Full Self-Driving“ vermittelt aus Sicht des Automobilclubs mehr Eigenständigkeit, als das System tatsächlich besitzt.

Der Zusatz „Supervised“ soll dies zwar relativieren, trotzdem fordert der ADAC eindeutigere Bezeichnungen und eine transparente Kommunikation der Systemgrenzen.

Das passt bemerkenswert gut zur aktuellen Diskussion zwischen Tesla und dem Bundesverkehrsministerium.

Tesla hat angeboten, FSD im Rahmen der europäischen Zulassung als „Tesla Assisted Driving“ zu bezeichnen.

Damit würde bereits der Name wesentlich deutlicher machen, dass der Fahrer weiterhin verantwortlich bleibt.

Der Test kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt

Der Zeitpunkt des ADAC-Tests ist besonders interessant.

Deutschland hat seine Position gegenüber FSD (Supervised) gerade deutlich verändert.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger bestätigte Gespräche mit Tesla und erklärte, man habe schnell ein gemeinsames Verständnis gefunden und eine konstruktive Einigung erzielt.

Deutschland will sich nun für eine zeitnahe Fortführung des europäischen Genehmigungsverfahrens einsetzen.

Gleichzeitig hat auch das Bundesverkehrsministerium dem Tesla-System nach bisherigen Erkenntnissen insbesondere im Stadtverkehr ein hohes Leistungsvermögen bescheinigt.

Der ADAC-Test liefert nun eine unabhängige praktische Perspektive auf genau diese Fähigkeiten.

Und das Ergebnis fällt bemerkenswert aus.

FSD kann im europäischen Stadtverkehr bereits sehr komplexe Fahraufgaben bewältigen und vermittelt dabei ein ungewöhnlich natürliches Fahrgefühl.

Gleichzeitig zeigen die Fehler, warum die Bezeichnung „Supervised“ weiterhin entscheidend ist.

Fazit: Beeindruckend – aber noch kein autonomes Fahren

Der ADAC-Test ist weder ein uneingeschränktes Lob noch eine grundsätzliche Abrechnung mit Tesla FSD.

Gerade deshalb ist er interessant.

Während der zweistündigen Fahrt durch Kopenhagen überzeugte FSD (Supervised) mit natürlichen Spurwechseln, souveränem Verhalten auf engen Straßen, kontrolliertem Umgang mit Gegenverkehr und der selbstständigen Bewältigung eines zweispurigen Kreisverkehrs.

Über weite Strecken wirkte das System laut ADAC fast so, als würde ein aufmerksamer Mensch fahren.

Doch anschließend zeigt sich die entscheidende Einschränkung.

FSD wählte unter anderem eine falsche Spur und eine falsche Autobahnauffahrt, überfuhr eine durchgezogene Linie, nutzte unzulässig eine Busspur und fuhr in einer Situation über eine rote Ampel. Auch beim Einparken und bei der Überwachung des Fahrers zeigte das System Schwächen.

Damit demonstriert der Test vor allem, wie weit moderne Fahrerassistenz inzwischen gekommen ist – und warum der Fahrer trotzdem noch nicht aus der Verantwortung genommen werden kann.

Das vielleicht größte Kompliment und gleichzeitig die wichtigste Warnung des ADAC lautet deshalb sinngemäß: FSD fährt inzwischen teilweise so überzeugend, dass man leicht vergessen könnte, dass man es weiterhin permanent überwachen muss.

Genau darin dürfte eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zur breiten europäischen Einführung liegen.

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